NACH OBEN

Dr.-Ing. Cornelia Kalender wird Präsidentin der Windtechnologischen Gesellschaft Deutschland: Ein Interview

23.12.2021

Cornelia Kalender

Dr.-Ing Cornelia Kalender studierte Umwelttechnik und Ressourcenmanagement an der RUB, kam jedoch in ihrem Studium mit dem Thema Wind erst im Rahmen ihrer Diplomarbeit unter Prof.-Dr.-Ing. Höffer, Inhaber der AG Windingenieurwesen und Strömungsmechanik, in Berührung. Als studentische Mitarbeiterin bei Niemann Ingenieure unter Prof. Höffers Vorgänger Herrn em. Prof. Hans-Jürgen Niemann arbeitete sie jedoch schon früh an ganz unterschiedlichen ingenieurwissenschaftlichen Projekten mit, u.a. bei Messungen im Windkanal. Vom Thema gepackt, begann sie im Frühjahr 2008 als wiss. Mitarbeiterin bei Prof. Höffer zu arbeiten, wo sie 2014 zum Thema „Windinduzierter Partikeltransport – Synergetische Kombination von physikalischer und numerischer Simulation“ promovierte. Als Post Doc bei der AG beschäftigt sie sich weiter mit den Gebieten der numerischen Strömungsmechanik und Windkanalversuchen für Windströmungen in der bebauten Umwelt. Im November wurde sie zur Präsidentin der Windtechnologischen Gesellschaft Deutschland ernannt, ein willkommener Anlass, sich einmal etwas eingehender mit Frau Kalender zu unterhalten.

Warum ist Windingenieurwesen Ihr Steckenpferd?

Ich bin Ingenieurin geworden, weil ich lernen wollte, wie all die Dinge, die uns umgeben, funktionieren. Es fasziniert mich, diesen alltäglichen Sachen auf den Grund zu gehen, sie zu verstehen und erklären zu können. Wind betrifft uns alle in unserem täglichen Leben. Wir atmen die Luft unserer Atmosphäre, wir sehen sich bewegende Bäume, wir spüren den Wind und auch die enormen Kräfte, die der er erzeugt, wenn es stürmt. Wind kann Gebäude beschädigen, sie in Bewegung bringen, Staub und Schadstoffe transportieren, aber auch Energie erzeugen und das Stadtklima verbessern. All das macht Windingenieurwesen unheimlich spannend und beschäftigt mich nun schon seit über 12 Jahren.

Wie sind Sie zur WtG gekommen und wie kam es dazu, dass Sie zur Vorsitzenden gewählt wurden?

Unsere Arbeitsgruppe ist durch ihre fachliche Ausrichtung und durch den Betrieb des Grenzschichtwindkanals schon viele Jahrzehnte mit der WtG verbunden. In 2011 habe ich bei der WtG D-A-CH Tagung in Aachen mein damaliges Promotionsthema vorgestellt und seitdem regelmäßig in den Fach-Komitees für Windkanalanwendungen und numerischer Strömungsmechanik im Windingenieurwesen mitgearbeitet und mich mit zahlreichen Kolleg:inn:en ausgetauscht. Seit 2015 bin ich offiziell Mitglied der WtG und wurde im Oktober 2019 zur Beisitzerin für Deutschland in den Vorstand gewählt. Als sich bei der diesjährigen Mitgliederversammlung im Oktober die Möglichkeit ergab, für den Vorsitz der WtG zu kandidieren und ich im Vorfeld auch Zuspruch und ehrliche Unterstützung erfahren habe, habe ich mich zur Wahl gestellt.

Warum ist die WtG in Ihren Augen wichtig, was leistet sie?

Die WtG ist 1987 mit dem Ziel gegründet worden, die Kommunikation zwischen der Wissenschaft, Technik, Wirtschaft und Behörden zu fördern und nationale sowie internationale Zusammenarbeit zu pflegen. Ein wichtiger Baustein darin ist die Organisation der regelmäßigen D-A-CH Fachtagung (Deutschland – Österreich – Schweiz), die den Erfahrungsaustausch zwischen Praxis und Wissenschaft unterstützt. Sie bringt Fachleute, Anwender und auch einfach Interessierte zusammen und ermöglicht einen unkomplizierten und direkten Austausch. Dieser fachliche, persönliche Austausch ist sehr wichtig und verbindet neue Entwicklungen in der Normung und Forschung mit aktuellen Fragestellungen und Erfahrungen aus der Praxis.
Eine weiterer, in meinen Augen sehr wichtiger Beitrag der WtG, ist die Erarbeitung von Merkblättern. Aktuell laufen die Überarbeitung des WtG-Merkblattes "Über Windkanalversuche in der Gebäudeaerodynamik" (1994) und die Neu-Erarbeitung von zwei weiteren Merkblättern zu den Themen „Windkomfort“ und „Numerische Methoden im Windingenieurwesen“ in Fach-Komitees. So werden ausführliche Hilfestellungen und Empfehlungen mit praktischen Lösungen nach dem aktuellen Stand der Technik zusammengestellt. Sie beschreiben Anforderungen und Empfehlungen z.B. für Windkanalexperimente und numerische Simulationen oder für das Vorgehen zur Beurteilung von Windkomfort. Dies ist sehr wichtig, zum einen für die Qualitätssicherung und zum anderen auch für die sichere Anwendung und Beurteilung von Daten und bewirkt dadurch auch eine gewisse Standardisierung in dem Fachbereich.

Worin sehen Sie die zentralen Schwerpunkte der WtG in der Zukunft?

Neue Entwicklungen, wie beispielsweise die stetig steigende Präsenz von numerischen Methoden oder auch Erneuerungen von normativen Verfahren, müssen weiter aktiv durch die WtG begleitet und diskutiert werden. Solche Veränderungen können wir mitgestalten, wir müssen dazu Stellung nehmen und den fachlichen Austausch weiter fördern. Die WtG kann durch ihre Mitglieder auf ein sehr großes Spektrum an Erfahrung und Wissen zurückgreifen. Um dies zu erhalten und weiterzugeben, müssen wir die Ingenieurinnen und Ingenieure, die mit Themen des Windingenieurwesens zu tun haben weiter effektiv vernetzen und insbesondere auch das Interesse junger Ingenieur:innen für die WtG wecken.

Wie sehen Ihre Pläne für die Zukunft aus?

In den letzten zwölf Jahren konnte ich mich sehr intensiv fachlich spezialisieren und viele nationale und internationale Kontakte knüpfen. Darauf möchte ich weiter aufbauen und mich weiterhin aktiv in dem Themenfeld einbringen. Wo und wie genau dies möglich sein wird, wird sich zeigen.

Cornelia Kalender

Dr.-Ing Cornelia Kalender studierte Umwelttechnik und Ressourcenmanagement an der RUB, kam jedoch in ihrem Studium mit dem Thema Wind erst im Rahmen ihrer Diplomarbeit unter Prof.-Dr.-Ing. Höffer, Inhaber der AG Windingenieurwesen und Strömungsmechanik, in Berührung. Als studentische Mitarbeiterin bei Niemann Ingenieure unter Prof. Höffers Vorgänger Herrn em. Prof. Hans-Jürgen Niemann arbeitete sie jedoch schon früh an ganz unterschiedlichen ingenieurwissenschaftlichen Projekten mit, u.a. bei Messungen im Windkanal. Vom Thema gepackt, begann sie im Frühjahr 2008 als wiss. Mitarbeiterin bei Prof. Höffer zu arbeiten, wo sie 2014 zum Thema „Windinduzierter Partikeltransport – Synergetische Kombination von physikalischer und numerischer Simulation“ promovierte. Als Post Doc bei der AG beschäftigt sie sich weiter mit den Gebieten der numerischen Strömungsmechanik und Windkanalversuchen für Windströmungen in der bebauten Umwelt. Im November wurde sie zur Präsidentin der Windtechnologischen Gesellschaft Deutschland ernannt, ein willkommener Anlass, sich einmal etwas eingehender mit Frau Kalender zu unterhalten.

Warum ist Windingenieurwesen Ihr Steckenpferd?

Ich bin Ingenieurin geworden, weil ich lernen wollte, wie all die Dinge, die uns umgeben, funktionieren. Es fasziniert mich, diesen alltäglichen Sachen auf den Grund zu gehen, sie zu verstehen und erklären zu können. Wind betrifft uns alle in unserem täglichen Leben. Wir atmen die Luft unserer Atmosphäre, wir sehen sich bewegende Bäume, wir spüren den Wind und auch die enormen Kräfte, die der er erzeugt, wenn es stürmt. Wind kann Gebäude beschädigen, sie in Bewegung bringen, Staub und Schadstoffe transportieren, aber auch Energie erzeugen und das Stadtklima verbessern. All das macht Windingenieurwesen unheimlich spannend und beschäftigt mich nun schon seit über 12 Jahren.

Wie sind Sie zur WtG gekommen und wie kam es dazu, dass Sie zur Vorsitzenden gewählt wurden?

Unsere Arbeitsgruppe ist durch ihre fachliche Ausrichtung und durch den Betrieb des Grenzschichtwindkanals schon viele Jahrzehnte mit der WtG verbunden. In 2011 habe ich bei der WtG D-A-CH Tagung in Aachen mein damaliges Promotionsthema vorgestellt und seitdem regelmäßig in den Fach-Komitees für Windkanalanwendungen und numerischer Strömungsmechanik im Windingenieurwesen mitgearbeitet und mich mit zahlreichen Kolleg:inn:en ausgetauscht. Seit 2015 bin ich offiziell Mitglied der WtG und wurde im Oktober 2019 zur Beisitzerin für Deutschland in den Vorstand gewählt. Als sich bei der diesjährigen Mitgliederversammlung im Oktober die Möglichkeit ergab, für den Vorsitz der WtG zu kandidieren und ich im Vorfeld auch Zuspruch und ehrliche Unterstützung erfahren habe, habe ich mich zur Wahl gestellt.

Warum ist die WtG in Ihren Augen wichtig, was leistet sie?

Die WtG ist 1987 mit dem Ziel gegründet worden, die Kommunikation zwischen der Wissenschaft, Technik, Wirtschaft und Behörden zu fördern und nationale sowie internationale Zusammenarbeit zu pflegen. Ein wichtiger Baustein darin ist die Organisation der regelmäßigen D-A-CH Fachtagung (Deutschland – Österreich – Schweiz), die den Erfahrungsaustausch zwischen Praxis und Wissenschaft unterstützt. Sie bringt Fachleute, Anwender und auch einfach Interessierte zusammen und ermöglicht einen unkomplizierten und direkten Austausch. Dieser fachliche, persönliche Austausch ist sehr wichtig und verbindet neue Entwicklungen in der Normung und Forschung mit aktuellen Fragestellungen und Erfahrungen aus der Praxis.
Eine weiterer, in meinen Augen sehr wichtiger Beitrag der WtG, ist die Erarbeitung von Merkblättern. Aktuell laufen die Überarbeitung des WtG-Merkblattes "Über Windkanalversuche in der Gebäudeaerodynamik" (1994) und die Neu-Erarbeitung von zwei weiteren Merkblättern zu den Themen „Windkomfort“ und „Numerische Methoden im Windingenieurwesen“ in Fach-Komitees. So werden ausführliche Hilfestellungen und Empfehlungen mit praktischen Lösungen nach dem aktuellen Stand der Technik zusammengestellt. Sie beschreiben Anforderungen und Empfehlungen z.B. für Windkanalexperimente und numerische Simulationen oder für das Vorgehen zur Beurteilung von Windkomfort. Dies ist sehr wichtig, zum einen für die Qualitätssicherung und zum anderen auch für die sichere Anwendung und Beurteilung von Daten und bewirkt dadurch auch eine gewisse Standardisierung in dem Fachbereich.

Worin sehen Sie die zentralen Schwerpunkte der WtG in der Zukunft?

Neue Entwicklungen, wie beispielsweise die stetig steigende Präsenz von numerischen Methoden oder auch Erneuerungen von normativen Verfahren, müssen weiter aktiv durch die WtG begleitet und diskutiert werden. Solche Veränderungen können wir mitgestalten, wir müssen dazu Stellung nehmen und den fachlichen Austausch weiter fördern. Die WtG kann durch ihre Mitglieder auf ein sehr großes Spektrum an Erfahrung und Wissen zurückgreifen. Um dies zu erhalten und weiterzugeben, müssen wir die Ingenieurinnen und Ingenieure, die mit Themen des Windingenieurwesens zu tun haben weiter effektiv vernetzen und insbesondere auch das Interesse junger Ingenieur:innen für die WtG wecken.

Wie sehen Ihre Pläne für die Zukunft aus?

In den letzten zwölf Jahren konnte ich mich sehr intensiv fachlich spezialisieren und viele nationale und internationale Kontakte knüpfen. Darauf möchte ich weiter aufbauen und mich weiterhin aktiv in dem Themenfeld einbringen. Wo und wie genau dies möglich sein wird, wird sich zeigen.